Grundsatzprogramm

Tarifvertrag in Kirche, Diakonie und Caritas - Aus den Erfahrungen eines Arbeitsrichters und Schlichters nach über 20 Jahren Schlichtungen nach AVR und Tarifvertrag

Tarifverträge in der EKBO und Nordelbien - Wegweisende Modelle kirchlicher Arbeitsrechtsgestaltung

1993 schlossen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kirche und Diakonie sowie Verbände kirchlicher Mitarbeiter zu der Gewerkschaft Kirche und Diakonie (GKD) zusammen. Dies geschah aus der Erkenntnis heraus, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kirche und Diakonie über die Grenzen der Landeskirchen hinweg vertreten werden müssen, um am einzelnen Arbeitsplatz mehr Gerechtigkeit zu erreichen.

Daher ist es selbstverständlich, dass alle Ämter in kirchlichem und diakonischem Dienst gleichwertig und Teil des der Kirche gegebenen Auftrages sind. Dieser Auftrag der Kirche besteht in der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus in Wort und Tat.

Dienst- und Arbeitsrecht

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie fordert, dass sich das Dienst- und Arbeitsrecht in Kirche und Diakonie grundsätzlich am Dienst und Arbeitsrecht des öffentlichen Dienstes orientiert. Dies ist auch deshalb erforderlich, weil eine besondere kirchliche bzw. diakonische Gerechtigkeit erst gefunden werden muss. Niedriglöhne in der Wirtschaft können nicht Maßstab für eine besondere kirchliche Bezahlung sein.

Eine Abkoppelung vom Recht des öffentlichen Dienstes darf nicht erfolgen. Abweichungen sind nur zulässig, wenn Besonderheiten des kirchlichen oder diakonischen Dienstes dies erfordern, die im Einzelfall mit der Gewerkschaft Kirche und Diakonie auszuhandeln sind.

Tarifrecht

Seit Kriegsende haben sich in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie im Bereich der Diakonie verschiedene Formen partnerschaftlicher Beteiligung kirchlicher Mitarbeiter an der Gestaltung von Arbeits- und Tarifrecht entwickelt.

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie setzt sich zukünftig dafür ein, dass in Kirche und Diakonie Tarifverträge abgeschlossen werden. Ziel ist ein einheitlicher Tarifvertrag für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kirche und Diakonie im Bereich der EKD.

Einheitliches Recht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie setzt sich ein für ein einheitliches Dienst- und Arbeitsrecht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kirche und Diakonie.

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie fordert eine Verstärkung der Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine Planung umfangreicher Umschulungsmaßnahmen.

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie setzt sich für die Anerkennung kirchlicher Ausbildungen und ihrer Abschlüsse in allen Gliedkirchen und im Bereich der Diakonie ein.

Das Arbeitsrecht soll in allen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland und im Bereich der Diakonie übereinstimmen.

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie fordert, dass unterschiedliche Regelungen abgebaut werden. Den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern darf der Arbeitsplatzwechsel zwischen den einzelnen Gliedkirchen und der Diakonie nicht erschwert werden.

Mitarbeitervertretungsrecht

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie setzt sich für ein einheitliches Mitarbeitervertretungsrecht im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie ein.

Das Recht auf Mitbestimmung muss umfassend ausgebaut werden, um einen angemessenen Ausgleich der verschiedenen Interessen zu erreichen.

Verteilung von Arbeit

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie setzt sich dafür ein, dass Erwerbsarbeit gerechter verteilt wird.

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie fordert die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Kirche und Diakonie.

Die Einstellung von Behinderten ist zu fördern.

Es ist vordringlich darüber nachzudenken, wie vermehrt Arbeitsplätze in Kirche und Diakonie geschaffen werden können.

Die Sorge der Gewerkschaft Kirche und Diakonie richtet sich in gleicher Weise auf die Erhaltung von Arbeitsplätzen.

Auch in Kirche und Diakonie sind Arbeitsplätze aus mancherlei Gründen gefährdet:

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie lehnt um der Würde des von Gott geschaffenen Menschen willen die Einführung von Personalinformationssystemen zu Überwachungszwecken ab.

Die verbleibenden Arbeitsplätze dürfen die Kräfte der Menschen nicht frühzeitig verschleißen.

Beziehungen zur Ökumene

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie setzt sich für einen Ausbau der Beziehungen zur Ökumene ein. Sie fördert und pflegt Verbindungen zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Ökumene.

Kirchenpolitisches Mandat

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie wird das Handeln der Kirche kritisch begleiten.

Die Strukturen von Kirche und Diakonie sind immer wieder zu hinterfragen, einer Erneuerung ist Raum zu verschaffen.

Hierarchien sind daraufhin zu überprüfen, ob sie dem „Priestertum aller Gläubigen" entsprechen.

Politische Aufgabe

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie ist aufgrund ihrer Aufgaben und von ihrer Zielsetzung her Teil der Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. In Wahrnehmung dieser Aufgabe fordert sie ihre Mitglieder auf, sich aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen.

Die Gewerkschaft Kirche und Diakonie nimmt Stellung zu gesellschaftlichen Entwicklungen.